Warum sollten Fachkompetenzen belegt werden?


Verfahren

Der Nachweis von Fachkompetenzen kann nur bedingt über die Selbstevaluation der  SchülerInnen geleistet werden.  Er bedarf  einer Vorgabe, die möglichst viele Fachkompetenzen aufführt und an der die Jugendlichen sich orientieren können.

Schreiben SchülerInnen ohne diese Hilfe über ihr Fach, wird oft die Motivation, der Bezug zum Fach oder die Auseinandersetzung mit dem Lernen in diesem Fach  der Jugendlichen deutlich, nicht aber die Fachkompetenzen.

Damit schulisch erworbene Kompetenzen nachgewiesen werden können, muss zunächst für jedes Fach oder Projekt eine Auflistung der im besten Fall zu erreichenden Kompetenzen aufgestellt werden. Außerdem muss beschrieben werden, wie der Lehrer / der Projektleiter zu seiner Wahrnehmung gekommen ist.

Ist dieser Schritt getan, können SchülerInnen und LehrerInnen jeweils prüfen, welche Kompetenzen im Einzelfall wirklich gezeigt wurden. Dazu sollte mit den Schülern zunächst besprochen werden, was sich hinter den Kompetenzbegriffen verbirgt. Im Idealfall ist die Liste deckungsgleich. Wenn das nicht der Fall ist, setzen sich SchülerIn und LehrerIn zusammen und besprechen die unterschiedliche Einschätzung.

Das fertige Produkt wird vom Lehrer unterschrieben und mit dem Schulstempel versehen. Die Schüler legen den Nachweis in einer Mappe ab, die sie über die gesamte Oberstufenzit führen.

 


Pädagogische Aspekte

1. Realistisches und stärkenorientiertes  Selbstbild gewinnen

Für den Jugendlichen macht der Kompetenznachweis seinen Lernfortschritt in einem Projekt oder einem Fach sichtbar. Er kann ein realistisches  und stärkenorientiertes Bild von seinen im Unterricht gezeigten Fähigkeiten erwerben.

2. Anerkennung von Leistungen in allen Fächern erhalten

Fächer unterscheiden sich durch den Kompetenznachweis in der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen nicht mehr nur dadurch, ob sie abschlussrelevant sind oder nicht oder ob ein persönliches Interesse des Jugendlichen besteht. Das ist in den letzten Jahren durch die Teilzentralen Prüfungen sehr stark der Fall geworden, denn SchülerInnen machten die Erfahrung in den entsprechenden Unterrichtsfächern, dass nur die Prüfung zählt, die restliche Leistung jedoch verloren geht. Das hatte in Klasse 12 oft ein unmotiviertes Arbeiten in den Nicht-Abiturfächern zur Folge. Für die Schüler war der Sinn der Unterrichte nicht mehr erkennbar und Werte, wie Allgemeinbildung oder Überblick erwiesen sich als zu fern der Lebenswirklichkeit der SchülerInnen. Hier kann der Kompetenznachweis den Jugendlichen eine Hilfe sein.


Anerkennung der Kompetenznachweise

Nachgewiesene Fachkompetenzen können zur Anerkennung gebracht werden.

Dazu erschien im Oktober 2011 ein Rundschreiben des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

die Hochschulen des Landes Nordrhein-Wstfalen stehen vor der Aufgabe zu entscheiden, ob und inwieweit Kompetenzen, die Studierende mit beruflicher Hochschulzugangsberechtigung außerhalb des Hochschulstudiums erworben haben, anzurechnen sind, § 63 Absatz 2 Satz 3 Hochschulgesetzt HG.

Dabei ergab sich die Frage, ob Qualifikationen, die zum Hochschulzugang führen, gleichzeitig als Leistungen innerhalb des Studiums angerechnet werden können. Die Frage war also, ob insoweit eine Doppelverwertung in Betracht kommt.
Diese Frage ist durchweg zu bejahen. Eine derartige Doppelverwertung ist nicht nur zulässig, sondern ggf. - auf Antrag - sogar erforderlich.
Dies ergibt sich aus der bloßen Überlegung, dass es Studierenden nicht zugemutet werden darf, bereits vorhandens Wissen nochmals erwerben zu müssen. 
In rechtlichen Begriffen bedeutet das: Studierenden Leistungsnachweise abzuverlangen stellt einen Eingriff in die Berufsfreiheit gemäß Artikel 12 Absatz 1 Grundgesetz (GG) dar.Ein solcher Eingriff ist nur gerechtfertigt, wenn er zur Erreichung des Ziels - Erreichung der Qualifikation _ erforderlich ist.
Es ist nicht erforderlich und daher nicht zulässig von Studierenden zu verlangen bereits vorhandene Qualifikationen nochmals nachzuweisen. Daher sind die Hochschulen bei Ausübung ihres Ermessens ("kann" durch Artikel 12 Absatz 1 GG gebunden. Letztere Norm kann dazu führen, dass die Hochschulen zur Anrechnung verpflichtet sind. 
Das gilt nicht nur für den Bereich von Studierenden, die ihre Hochschulzulassungsberechtigung  aufgrund beruflicher Qualifikation erworben haben. Vielmehr gilt dies auch für Studierende, die mit einer schulischen Hochschulzugangsberechtigung an die Hochschule gekommen sind.
Die schulische Hochschulzugangsberechtigung kann auf unterschiedliche Weise , insbesondere mit unterschiedlichen Abiturfächern erworben werden. Sie sagt aus, dass die Studienbewerberin oder der Studienbewerber generell für ein Hochschulstudium geeignet ist. 
Wenn die Studienbewerberin oder der Studienbewerber darüber hinaus in der Schule oder anderswo außerhalb des Hochschulwesens Qualifikationen erworben hat, die einzeln im Studium nachzuweisenden Leistungen gleichwertig sind, werden diese wegen Artikel 12 Absatz 1 GG im Wege von § 63 Absatz 2 Satz 3 HG anzurechnen sein."